Wie alles begann

Wie alles begann

1024 576 Verein Pro Gmundner Straßenbahn

1989 erklärte sich die Eigentümerin der Gmundner Straßenbahn, die Gmundner Elektrizitätsgesellschaft mbH (GEG), ein Unternehmen des Stern & Hafferl – Konzerns,  unter ihrem neuen Geschäftsführer Ing. Wolfgang Neumann außerstande, den jährlichen Betriebsabgang der Straßenbahn weiter zu finanzieren. Der betriebsführenden Firma Stern & Hafferl wurde aufgetragen, einschneidende Maßnahmen zu setzen. Tatsache war, dass die Inanspruchnahme der Straßenbahn seit 1975, dem Jahr der Verkürzung der Strecke vom Stadtzentrum zum Franz-Josef-Platz, kontinuierlich fiel und die schon gesetzten Rationalisierungsmaßnahmen (schaffnerloser Betrieb) die Schere zwischen Aufwand und Erlös nicht ausreichend beeinflussten. Es war absehbar, dass ohne öffentliche Unterstützung – damals gab es noch keine wirksame Abgangsdeckung in der heute üblichen Form der Verkehrsdiensteverträge – die Einstellung des Straßenbahnbetriebes nur mehr eine Frage kurzer Zeit sein konnte. Allseits als unvermeidbar betrachtet, steuerte die Einstellungsdiskussion 1988 dem Höhepunkt zu. Der heutige Obmann des Vereines Pro Gmundner Straßenbahn war damals Leiter der Verkehrsabteilung der Firma Stern & Hafferl und war beauftragt, den Autobus-Ersatzverkehr zu konzipieren.

In dieser ziemlich aussichtslosen Situation startete Dipl.-Ing. Otfried Knoll mit wenigen Gleichgesinnten eine Befragung der Einheimischen und Gäste Gmundens, ob die Straßenbahn statt eingestellt zu werden wieder bis zum Rathausplatz verlängert werden sollte. Ein durchaus polarisierendes Thema, war doch die Verkürzung im Jahr 1975 auf Wunsch der Stadt Gmunden aus Rücksicht auf den Autoverkehr erfolgt. Auch 1989 betrachteten viele Gmundnerinnen und Gmundner die Wiederverlängerung noch als unvorstellbar. Umso mehr zeigte sich allseitige Überraschung über die Anzahl der abgegebenen, mit Name, Adresse und oft auch Telefonnummer versehenen Unterstützungserklärungen für dieses Vorhaben: es waren über 6.300! Viele derer, die sich zur Verlängerung bekannten, bekräftigten dies in Briefen an die Stadt Gmunden und an die Presse. Der prominenteste Leserbrief war jener von Thomas Bernhard im Februar 1989, war er doch gleichzeitig auch das letzte von ihm verfasste Schriftstück vor seinem Tod zwei Wochen später. Die ganze Stadt (13.000 Einwohner) diskutierte über die Straßenbahn, vielfach kontroversiell, aber mehrheitlich in der Überzeugung, dass die Straßenbahn nicht eingestellt werden dürfe. Fernsehen und Printmedien widmeten sich dem Thema ausführlich. Die Notwendigkeit eines Positionsbezuges durch die Stadt Gmunden, die die Straßenbahn bisher eher als Privatinteresse der Firmen GEG und Stern & Hafferl betrachtet hatte, wurde offenkundig.

Der damalige Bürgermeister von Gmunden, Erwin Herrmann, erkannte, dass die unerwartet hohe Zahl an Unterstützungserklärungen einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert hatte und schlug vor, einen Verein zu gründen. Dessen Mitgliedsbeiträge sollten die fehlenden Finanzmittel zur Abdeckung des jährlichen Betriebsabganges aufbringen. Es war aber klar, dass von den über 6.300 Unterstützern nur ein kleiner Teil bereit sein würde, finanziell zur Erhaltung der Straßenbahn beizutragen, da dies konsequenterweise als Aufgabe der öffentlichen Hand gesehen wurde. Durch außergewöhnlichen persönlichen Einsatz konnten jedoch rund 450 zahlende Mitglieder erreicht werden. Ein Großteil kam aus Gmunden und trug schon durch den täglichen Fahrscheinkauf in der Straßenbahn ohnehin zur Finanzierung bei, es verließ aber auch kein Eisenbahnfreund die Verkehrsabteilung der Firma Stern & Hafferl , ohne – als Gegenleistung für die ihm zuteil gewordene Unterstützung bei besonderen Wünschen – die Mitgliedserklärung samt Zahlschein unterschrieben zu haben. Und das waren nicht Wenige. Der Mitgliedsbeitrag betrug öS 300,-/Jahr.

Zur Erhöhung der Aufmerksamkeit und um der Situation noch mehr Nachdruck zu verleihen, wurde mit Zustimmung des Konzernleiters Dipl.-Ing. Ingobert Stern  der historische Straßenbahntriebwagen GM 5 am 12.10.1989 vor dem Rathaus aufgestellt. Er wurde sodann zwei Wochen lang als Diskussions- und Eintragungslokal für das „Straßenbahn – Volksbegehren“ betreut. Am 13.10.1989 gaben die Vöcklabridge Dixie Swingers aus diesem Anlass ein legendäres Benefizkonzert für die Straßenbahn, der neu gegründete Verein „Pro Gmundner Straßenbahn“ wurde offiziell vorgestellt. Obmann Bürgermeister Herrmann gab als Ziel vor, das Erhalten der Straßenbahn finanziell abzusichern, ohne die Stadt Gmunden damit zu belasten.

Bewährungsprobe

Da die Phantasie der Rechnung „Mitgliedsbeiträge decken Abgang“ verständlicherweise nicht aufgehen konnte, musste unter dem Druck der Eigentümer mit dem Personal der Straßenbahn ein wesentlich kosteneffizienterer Betrieb vereinbart werden. Damit wurde der Leiter der Stern & Hafferl Verkehrsabteilung, Dipl.-Ing. Otfried Knoll, beauftragt. Gleichzeitig bestellte ihn Bürgermeister Herrmann zum Geschäftsführenden Obmann des Vereines Pro Gmundner Straßenbahn. Quasi zum Erfolg verdammt, ging Otfried Knoll mit hoher Energie an die Umsetzung und es gelang, die Straßenbahner zur weitgehenden Übernahme der Werkstättenleistungen und zu einer deutlichen Straffung der Dienstpläne zu bewegen. Seit damals betreuen die Straßenbahner ihre Fahrzeuge technisch großteils selbst, auch die Wagenreinigung samt Großwäsche und Fensterputzen wird von ihnen mit Hingabe erledigt. In zahlreichen engagierten Diskussionen auch mit dem Zentralbetriebsratsobmann gelang es, den vielgeschmähten Begriff des „Mädchen für Alles“ durch „Wir haben alles im Griff“ neu und positiv zu besetzen und ein bisher noch nicht gekanntes Gefühl eines Miteinander vorzuleben und damit auch zu etablieren. Insgesamt zeigte sich, dass die Straßenbahner durch entsprechende Motivation Weltspitze wurden: Zahlreiche Briefe und Anrufe bestätigten, dass die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sowohl Gmundnern als auch Gästen gegenüber als unerreicht bezeichnet wurde  und für viele, die erstmals in Gmunden ankamen, der Kontakt mit den Straßenbahnern einen ersten positiven Eindruck der Stadt vermittelte. So konnten auch die Straßenbahner viele Stammfahrgäste und Besucher Gmundens als Mitglieder für den Verein Pro Gmundner Straßenbahn werben.

Als dann 1989 die Advent- und Faschingsfahrten mit dem Jugendstil-Triebwagen 5 bei Glühwein, Tombola und lieben Dingen für die Kinder starteten, kamen viele Gmundner erstmals seit Jahren wieder in die gemütlichen Triebwagen. Den Fahrdienst besorgte damals unentgeltlich Dipl.-Ing. Otfried Knoll, das Schmücken der Wagen, den Glühwein und die Tombola seine Frau, selbstverständlich ebenfalls unentgeltlich. Gleichzeitig wurde mit den Innenstadtkaufleuten eine Fahrschein-Rückvergütungsaktion für Straßenbahn-Kunden ins Leben gerufen. Die Straßenbahn hatte eine sehr gute Presse, das Lobbying zeigte erste Erfolge – kurz, der Blick war wieder nach vorne gerichtet. Dies überzeugte auch Eigentümer GEG und Betriebsführer Stern & Hafferl.

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