Der große Schritt vorwärts

Der große Schritt vorwärts

1024 576 Verein Pro Gmundner Straßenbahn

Ende 2001 in Gmunden geführte Diskussionen, die sich mit der Sinnhaftigkeit der Ausbaupläne Rathausplatz und SEP befassten, belegten die Notwendigkeit, möglichst schnell und realitätsbezogen sowohl Befürwortern, als auch Gegnern die Vorteile einer modernen und im Aufschwung befindlichen Straßenbahn in einer vergleichbaren Stadt vor Augen zu führen.

Vom 5. – 8. Februar 2002 unternahmen Stern & Hafferl Abteilungsleiter Zugförderung und Werkstätten, Ing. Josef Berger, Werkstättenleiter Vorchdorf Alois Hufnagel und Obmann Dipl.-Ing. Otfried Knoll eine gemeinsame Studienreise zu den ebenfalls meterspurigen Straßenbahnbetrieben in Stuttgart, Nordhausen und Essen. Ziel war die Identifikation geeigneter Fahrzeugkonzepte für Neubau- und allenfalls Gebrauchtfahrzeuge. Die Auswahl fiel auf diese Betriebe, weil dort ähnlich starke Steigungen wie in Gmunden anzutreffen waren. Nordhausen mit seinen gerade in Auslieferung bzw. Erprobung befindlichen Siemens-Combino-Triebwagen und seiner Maximalneigung von 91 ‰ erwies sich als besonders interessant, zumal dort ein Weiterfahren der Straßenbahnzüge auf die meterspurige Harzquerbahn unmittelbar bevorstand: Es lagen also nahezu gleichartige Voraussetzungen wie in Gmunden vor!

Der Obmann organisierte daher im Juni 2002 im Zusammenwirken mit der Firma Siemens eine Besichtigungstour für hochrangige Vertreter der Stadt Gmunden, des Landes Oberösterreich, des Bundes und der Firma Stern & Hafferl. Auf Einladung des Vereines Pro Gmundner Straßenbahn und der Firma Siemens fand diese weitere Studienreise nach Nordhausen dann vom 1. – 4. Juni 2002 statt. Bei diesem Besuch gelang es Stadtverwaltung und Stadtwerken von Nordhausen derart überzeugend, sowohl das Bekenntnis zu ihrer schon mehrmals in Frage gestellten Straßenbahn, als auch die Begeisterung und den Willen zum Ausbau des kleinen Straßenbahnbetriebes zu vermitteln, dass der Funke sofort auf die österreichische Delegation übersprang. Als Ergebnis konnte noch vor Ort ein Austausch von Triebwagen vereinbart werden: Nordhausen verleiht 2003 einen modernen Niederflur-Zweirichtungstriebwagen vom Typ Siemens-Combino für 2 Wochen Fahrgast-Echtbetrieb nach Gmunden, im Gegenzug wird Gmunden den offenen Triebwagen 100 im Jahr 2004 anlässlich der Landesgartenschau nach Nordhausen verleihen. Damit konnte die Voraussetzung für einen öffentlichkeitswirksamen Probebetrieb und damit den großen Schritt nach vorne, Richtung Erneuerung der Gmundner Straßenbahn, gesetzt werden. Allgemeine Aufbruchsstimmung war die Folge.

In einer Vorstandssitzung des Vereines wurde am 28. Juni 2002 die Nachbesprechung der Reise nach Nordhausen vorgenommen. Das Land Oberösterreich verlangte als Voraussetzung eines zu erstellenden strategischen Bezirksverkehrskonzeptes eine klare Positionierung der Stadt Gmunden zu ihrer Straßenbahn und zu deren Rolle, die sie im Gesamtverkehrssystem spielen soll. Diese Positionierung habe im Rahmen eines gesamthaften Attraktivierungskonzeptes zu erfolgen, in dem alle Ausbauvarianten zu prüfen und zu bewerten, sowie Aussagen über die Sanierung der Bestandsstrecke, den Bau einer neuen Remise und über neue Fahrzeuge zu treffen seien. Alle Maßnahmen hätten die Anforderungen des innerstädtischen und regionalen Verkehrs zu berücksichtigen. Da das Konzept Grundlage für die Landesförderung der Ausbauprojekte sei, wären die Ergebnisse dieses Prozesses als entsprechende Beschlüsse der Stadt Gmunden zu fassen. Die umsetzungsreif zu erstellende Gesamtstudie würde zum Großteil vom Land finanziert werden. Der Verein Pro Gmundner Straßenbahn als wesentlicher Know-How-Träger sei einzubinden.

Dieser Aufforderung wurde umgehend gefolgt: Am 8. Juli 2002 beschloss der Stadtrat von Gmunden, den Verein in die einzurichtende Projektgruppe „Attraktivierung der Gmundner Straßenbahn“ einzuladen. In der Projektgruppe waren somit der beauftragte Planer, die, Stadt, das Land OÖ, Stern & Hafferl und der Verein Pro Gmundner Straßenbahn eingebunden. Noch im Juli 2002 erfolgte die Ausschreibung und Beauftragung des Ziviltechnikerbüros, das die Gesamtstudie auszuarbeiten hatte. Im August 2002 bestätigten die Bürgermeister von Gmunden und Nordhausen offiziell den geplanten Fahrzeugaustausch. Gleichzeitig wurden die Planungen für das Großereignis des Combino-Einsatzes im Jahr 2003 aufgenommen, anlässlich dessen auch die Feier 10 Jahre Gmundner Verkehrsverbund stattfinden sollten. Auf Initiative des Obmannes würde auch der „Österreichische Omnibustag“ in Gmunden gleichzeitig mit der Präsentation des Combino aus Nordhausen stattfinden.

Zwischen September 2002 und Jänner 2003 wurde in zahlreichen Arbeits- und Abstimmungssitzungen das vom Land Oberösterreich, der Stadt Gmunden und der Firma Stern & Hafferl beauftragte Gesamtkonzept zum Ausbau der Gmundner Straßenbahn durch die Firma Bautechnik Linz erarbeitet. Die vom Verein Pro Gmundner Straßenbahn ständig begleitete, umfassende Studie kam zum Ergebnis, dass vorrangig (bis 2006) die Sanierung der Bestandsstrecke, der Neubau einer Remise und die Beschaffung von Niederflurfahrzeugen erfolgen müsse. In weiterer Folge wären die Verlängerungs- und Verknüpfungsprojekte zum Seebahnhof (2010) und zur Grünbergseilbahn sowie zum Salzkammergut-Einkaufspark (2012) in Angriff zu nehmen. Die Linienführung wäre gemäß dem ursprünglichen Projekt „Rathausplatz“ zweigleisig durch die Theatergasse, das Trauntor und über Traunbrücke und Klosterplatz bis zum Seebahnhof mit Einbindung in die Traunseebahn auszuführen.

Am 10. März 2003 wurden dem Gmundner Stadtrat die Ergebnisse der Studie samt Umsetzungszeitplan präsentiert. Das Echo war ausgesprochen positiv und führte am 24. April 2003 zu einem einstimmigen Beschluss des gesamten Gemeinderates zur Umsetzung der Maßnahmen. Bürgermeister Heinz Köppl überbrachte der am Folgetag stattfindenden Generalversammlung des Vereines Pro Gmundner Straßenbahn diese Nachricht und beglückwünschte den Verein zu seiner erfolgreichen Tätigkeit.

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