Verlängerung der Lokalbahn Gmunden - Vorchdorf zum Seebahnhof

Verlängerung der Lokalbahn Gmunden – Vorchdorf zum Seebahnhof

1024 576 Verein Pro Gmundner Straßenbahn

Von der Öffentlichkeit ziemlich unbemerkt, wurden die letzten beiden Personenzugpaare der ÖBB-Strecke Lambach – Gmunden Seebahnhof mit 29.5.1988 auf Schienenersatzverkehr umgestellt. Das Ende zeichnete sich durch laufende Fahrplanausdünnungen schon Jahre davor ab. Es wurden Stimmen laut, die Strecke und das weitläufige Areal des Seebahnhofes anderweitig zu nützen. Vom Hotelbau am See über die Vergrößerung der Gärten entlang der Strecke bis zur „kleinen Umfahrungsstraße“ auf der Bahntrasse reichte die Palette der Vorschläge. Auch innerhalb der ÖBB gab es verschiedene Ansichten zur weiteren Nutzung der Trasse. Der damalige Leiter der Stern & Hafferl-Verkehrsabteilung, Dipl.-Ing. Otfried Knoll, hatte jedoch bereits 1987 genaue Überlegungen angestellt, die Endstation der Lokalbahn Gmunden – Vorchdorf von ihrer unattraktiven, von Ortsunkundigen nur schwer auffindbaren Lage in der Schlagenstraße zum Seebahnhof zu verlegen. In seinem 1987 verfassten Jubiläumsband „75 Jahre Lokalbahn Gmunden – Vorchdorf – Chronik einer Schmalspurbahn“ wurden diese Planungen schon erwähnt:

„Heute stehen wir wieder an einem Wendepunkt. Der öffentliche Verkehr hat – zumindest in der allgemeinen Diskussion – endlich den richtigen Stellenwert erfahren. Es gilt nun, die Zeichen richtig zu deuten und alles zu unternehmen, um die nötigen Voraussetzungen für einen auch morgen noch zeitgemäßen Betrieb zu schaffen. […]Wenn wir […] den Blick in die Zukunft richten, so gilt unser Bemühen vor allem einer Verkürzung der Fahrzeit der Lokalbahn auf 30 Minuten. Weil aber die Gesamtreisezeit, das heißt Fahrzeit samt Zu- und Abgangszeit, der maßgebliche Wert ist, bestehen konkrete Pläne, die Traundorfer Endstation aufzulassen und künftig vom Seebahnhof abzufahren. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • kürzerer Weg ohne Steigungen ins Zentrum über die schattige Esplanade (Wochenmarktbesucher!)
  • keine Belästigung der Fahrgäste durch den Autoverkehr in der Georgstraße
  • Erschließung des Stadtteiles Weyer
  • bessere Anbindungsmöglichkeit für Buslinien
  • Grünbergseilbahn, Dampfersteg und Badeanlage in unmittelbarer Nähe
  • Nutzung einer bestehenden Bahntrasse, wobei die derzeitige in Traundorf aufgegeben werden kann, somit wertvoller Grund frei wird.

Aber auch in Vorchdorf bestünde die Möglichkeit, einzelne Züge näher ans Zentrum heranzuführen, wenn im bestehenden LV-Gleis bis Vorchdorf-Schule eine dritte Schiene eingelegt würde. Die Möglichkeiten dazu werden zur Zeit geprüft.“

1988 wurden die Pläne dazu konkretisiert und 1989 in Verhandlungen mit den ÖBB entscheidungsreif gemacht. Es erwies sich als strategisch günstigste Variante, die Strecke zum Seebahnhof für beide Bahnverwaltungen benutzbar zu machen, Konzession und Betriebsvertrag der Lokalbahn Gmunden – Vorchdorf abzuändern, den Bhf. Traundorf aufzulassen und die Strecke zum Seebahnhof von km 26,542 ÖBB bis km 27,228 ÖBB mit einer dritten Schiene auszurüsten. Zum Glück konnten die Vorstellungen der Stadt Gmunden, die Züge nördlich der Traunsteinstraße „verenden“ zu lassen, abgewendet werden. Die neuen GV-Kilometer waren daher: Gleisende Seebahnhof minus km 0,349, neue Haltestelle Gmunden-Traundorf km 0,084. Danach ging alles sehr schnell: Nach nur 2 Monaten Bauzeit wurde die Lokalbahn Gmunden – Vorchdorf am 27. Mai 1990 bis Gmunden-Seebahnhof verlängert. Gleichzeitig wurde die bisherige, aus 1912 bzw. 1980 (Umbau) stammende Endstation „Gmunden-Traundorf“ aufgelassen und durch die neue Bedarfshaltestelle „Gmunden-Traundorf“ im Bereich Hochmüllergasse-Annastraße ersetzt. Für die damals jährlich rund 220.000 Fahrgäste ergaben sich durch die stadtnähere Endstation und die neue traundorfer Haltestelle erhebliche Verbesserungen durch verkürzte und vor allem nunmehr horizontale und breite Gehwege. Zudem war nun mit dem Seebahnhof ein ordentliches Aufnahmsgebäude mit WC und Warteraum vorhanden, unmittelbar hinter dem Gleisabschluß befanden sich der Dampfersteg und die große Freibadeanlage. Auch zur Grünbergseilbahn war es jetzt nicht weit, und der Fußweg ins Zentrum verkürzte sich um ca. 300 m. Die Lokalbahn Gmunden – Vorchdorf hatte sich somit der ersten Projektlinie für eine Verbindung von Lokalbahn (= Straßenbahn) Gmunden und Seebahnhof aus 1895 angenähert, die eine eigene Traunbrücke vorsah und dann entlang der Schiffslände (= Esplanade in Traundorf) bis zum Seebahnhof führen sollte. Die normalspurigen Seebahn-Gleisanlagen wären dann durchkreuzt worden, das Meterspurgleis hätte neben dem Normalspurgleis bis Engelhof geführt und wäre dort Richtung Vorchdorf abgeschwenkt.

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