FAQS ZUR DURCHBINDUNG
Häufig gestellte Fragen und Antworten

Zur Verbindung der Straßenbahn in Gmunden mit der Lokalbahn Gmunden - Vorchdorf:

2009 fand im September die Gmundner Gemeinderatswahl statt. Im Vorfeld bereitete der Verein Pro Gmundner Straßenbahn im August 2009 auf der Vereins-Homepage die wichtigsten Fragen und Antworten im Zusammenhang mit dem Straßenbahn-Durchbindungsprojekt auf. Das Projekt „Straßenbahn-Durchbindung Gmunden“ und die Präsentation „Die ganze Welt baut Straßenbahnen“ wurden zum Download verfügbar gemacht. Zu den folgenden häufig gestellten Fragen zur Verbindung der Straßenbahn in Gmunden mit der Lokalbahn Gmunden – Vorchdorf wurden Antworten bereitgestellt:

Muss für die Verlängerung die Traunbrücke neu gebaut werden?

Nein, für die Verlängerung muss die Traunbrücke nicht neu gebaut werden. Für die Straßenbahn sind nur lokale Verstärkungsmaßnahmen an der Brücke notwendig. Jedoch ist die Brücke schon etwa 50 Jahre alt und hat damit jedenfalls mehr als die Hälfte ihrer Lebenszeit erreicht. Die Stadt Gmunden hat deswegen den Wunsch, die Brücke im Zuge der Übernahme der Bundesstraße in städtischen Besitz neu zu bauen, um ihre Lebenszeit zu verlängern und sie gleichzeitig attraktiver zu gestalten. Da bietet es sich geradezu an, dies zusammen mit der Straßenbahnverlängerung zu tun.

Wäre es nicht besser, über die Esplanade und eine eigene Brücke zum Seebahnhof zu fahren?

Diese Möglichkeiten wurden im Vorfeld eingehend geprüft. Jedoch zeigte sich, dass bei einer Führung über die Esplanade die Nachteile, etwa bei Veranstaltungen oder dem Wochenmarkt, überwiegen. Auch wäre eine eigene Straßenbahnbrücke nicht nur teurer, sondern auch aus wasserrechtlichen Gründen und dem Landschaftsschutz nur schwer durchzusetzen.

Aber es ist doch recht aufwändig die Gleise in der Straße zu verlegen?

Ja, es ist in gewisser Weise aufwändig, Gleise zu verlegen. Jedoch ist es in nächsten Jahren ohnehin notwendig, z. B. die Asphaltdecke in der Innenstadt sowie die Einbauten wie Kanal und Leitungen zu erneuern. Das kann im Zuge der Arbeiten der Verlängerung der Straßenbahn sehr gut abgestimmt erledigt werden. Auch haben moderne Straßenoberflächen mit Straßenbahngleisen eine längere Lebensdauer als die normalen Asphaltstraßen.

Wenn die Straßenbahn gebaut wird, kommt es doch zu Verkehrsbehinderungen in der Stadt?

Ja, zu Behinderungen wird es kommen. Doch im Zuge der Bauplanung wird es einer der wichtigsten Punkte, die Unannehmlichkeiten für Gewerbetreibende und Anwohner so gering wie möglich zu halten. Das kann durch eine kluge Auswahl der Bauabschnitte, der Arbeitsschichten sowie intensive Bürgerbeteiligung erreicht werden. Jedoch werden sich solche Unannehmlichkeiten auch bei anderen Bauarbeiten (z. B. bei einer neuerlichen Sanierung der Brücke) nicht verhindern lassen. Professionelles Baustellenmanagement stellt sicher, dass Beeinträchtigungen von Geschäften gering gehalten und zeitweilige Umsatzeinbußen abgegolten werden.

Aber wäre ein Bus nicht besser?

Die Anschaffungskosten eines Autobusses sind im Vergleich zu einem Niederflur-Straßenbahnwagen natürlich niedriger. Allerdings ist auch die Lebensdauer eines Busses im Vergleich zu einer Straßenbahn viel niedriger. Hinzu kommt, dass das Fassungsvermögen bei Bussen kleiner ist und die Betriebskosten (Energieverbrauch) ein Vielfaches betragen.

Busse sind weniger gut dazu geeignet, größere Mengen an Personen zu transportieren. Eine moderne Straßenbahngarnitur fasst bis zu 200 Personen und kann mit einem Mann betrieben werden. Für die gleiche Menge sind 3 Busse und 3 Fahrer notwendig. Das ist vor allem im Schüler-/Pendlerverkehr und bei großen Veranstaltungen ein Pluspunkt für die Bahn.

Schienenfahrzeuge vermögen Fahrgäste in einem viel stärkerem Ausmaß anzusprechen als Busse. Alle Erfahrungen zeigen, dass bei Umstellung von Buslinien auf Schienenverkehrsmittel die Fahrgastzahlen erheblich ansteigen. Damit kann ein Beitrag zur Entlastung der Stadt vom Straßenverkehr geleistet werden. In Gmunden wird der Wegfall des Umsteigezwanges am Seebahnhof oder am Franz – Josef – Platz zu deutlichen Frequenzsteigerungen führen. Oder würden sie mit dem Auto in die Stadt fahren, wenn sie an der Stadtgrenze in ein anderes Auto umsteigen müssten?

Für die paar Schüler eine Straßenbahn bauen?

Derzeit pendeln 200-300 Schüler mit der Lokalbahn nach Gmunden ein. Diese müssen zum großen Teil mit Bussen am Seebahnhof abgeholt und zur ihrer Schule gebracht werden. Mit der Verbindung von Straßenbahn und Lokalbahn ist nahezu jede Schule in Gmunden mit der Lokalbahn und einem kurzen Fußweg erreichbar. So kann die Belastung des Stadtzentrums zu Schulbeginn und Schulende mit Schülerzubringern deutlich reduziert werden. Der Schulstandort Gmunden wird durch die verbesserte Erreichbarkeit gegenüber anderen Kleinstädten deutlich aufgewertet.

Und nicht nur Schüler nutzen die Lokalbahn, sondern auch viele Pendler. Die Erfahrung zeigt, dass bei einem attraktiven Angebot die Zahl noch weiter steigen wird. Denn Fahrgäste aus Richtung Vorchdorf erhalten eine direkte Verbindung mit der Innenstadt Gmundens. Die Attraktivität der Stadt Gmunden wird durch den Ausbau der Straßenbahn stark erhöht, da die Stadtteile im Norden und Osten

umsteigefrei verbunden werden. Die Stadt-Regionalbahn schafft Mehrwert und ist ein Gewinn und Impuls für die Stadt: Die Standortattraktivität für Anwohner und Investoren steigt. Weltweit hat man erkannt, dass Schienenbahnen oft den entscheidenden Impuls für historisch gewachsene Zentren geben, besonders dann, wenn diese von wirtschaftlichem Bedeutungsverlust und Leerständen bedroht sind. Die Investition in eine Neugestaltung des Öffentlichen Raumes zieht private Investitionen nach sich.

Es wird dann doch viel mehr Staus geben?

Staus in der Gmundner Stadtdurchfahrt entstehen vor allem durch das geduldete Fehlverhalten von Reisebuslenkern, KFZ-Lenkern und Lieferanten. Verparkte Bushaltestellen und dort abgestellte Reisebusse, sowie das Linksabbiegen in den Rathausplatz verursachen regelmäßig Rückstaus. Hierfür gibt es aber Lösungsmöglichkeiten. Diverse Simulationen zeigten auf, dass die Straßenbahn keinen zusätzlichen Stau bewirken wird, sondern dass sich die Straßenbahn problemlos im Verkehrsfluss eingliedert. Eine verkehrsabhängige Steuerung der Ampeln mit kürzeren Umlaufzeiten stellt ein Mitfließen der Straßenbahn im koordinierten Verkehr (Mischverkehrsprinzip) sicher.

Die Straßenbahn verhält sich auf der Fahrbahn wie ein größeres Kraftfahrzeug, zum Beispiel ein Bus. Bei täglich 15.000 Kraftfahrzeugen in der Theatergasse fallen die Straßenbahnzüge nur wenig ins Gewicht, wie Verkehrssimulationen zeigen. Die durchgebundene Straßenbahn wird aber eine Reduktion der Zahl der Regionallinienbusse ermöglichen, da Parallelfahrten Bus-Straßenbahn vermieden werden. Im Vordergrund aller baulichen Maßnahmen steht aber die Verbesserung der Lebensqualität. Mit der Verlängerung der Straßenbahn wird das Verkehrsaufkommen im Stadtzentrum sinken, was nicht zuletzt mehr Verkehrssicherheit für die BewohnerInnen bringt. Vor allem Kinder und ältere Personen werden durch die Weiterführung der Vorchdorferbahn direkt ins Stadtzentrum von Gmunden profitieren.

Nicht zu vergessen ist auch, dass die absehbare Fertigstellung der Gmundner Ostumfahrung zusätzlich einen Beitrag zur Verkehrsentlastung leisten wird.

Aber was macht die Straßenbahn, wenn ein Auto am Rand parkt, sie kann ja nicht ausweichen wie ein Autobus?

Eine Straßenbahn kann nicht ausweichen, jedoch stellt das Gleis eine psychologische Barriere dar, so dass sich die Autofahrer nicht trauen, darauf zu parken. In allen Städten, auch in Wien, Graz, Linz oder Innsbruck, verkehrt die Straßenbahn im Straßenraum und Blockaden durch Gleisparker sind selten. Auch in Gmunden in der Kuferzeile kommt es dadurch sehr selten zu ernsthaften Behinderungen.

Und wie sollen die Geschäfte dann beliefert werden oder die Müllabfuhr ihre Arbeit erledigen?

Die Planungen gehen derzeit von einem 15 Minuten-Takt auf der Straßenbahn aus. Das bedeutet, es stehen zumindest immer 15 min Takt für kleinere Lieferungen u. ä. zur Verfügung. Die Problematik der Großanlieferungen und der Müllabfuhr wird im Zuge der Bürgerbeteiligung mit den Betroffenen eingehend diskutiert

Wird die Wirtschaft in der Innenstadt nicht unter der Durchbindung leiden?

Ganz im Gegenteil. Internationale Erfahrungen zeigen, dass Straßenbahnprojekte vielfach einen entscheidenden Impuls zur Belebung der Innenstädte leisten. Der Bau der Straßenbahn bietet die Chance, die komplette Stadtdurchfahrt städtebaulich attraktiv zu gestalten und aufzuwerten. Straßenbahnen sind das Instrument für die städtebauliche Aufwertung entlang der Schienen und damit für die Belebung der Zentren.

Ohne Straßenbahn ist das schwer vorstellbar, weil diese Investition in Gmunden einfach unterbleibt und die Altstadt sich wahrscheinlich weiter entwickeln wird wie bisher. Auch der langjährige Wunsch, die Querung der Traunbrücke für Fußgänger attraktiver zu machen, kann mit dem Straßenbahnprojekt umgesetzt werden. Das Straßenbahnprojekt ist eine seltene Chance für Gmunden, einen positiven Impuls für die Innenstadtwirtschaft zu setzen. Die Erreichbarkeit von Gmunden und insbesondere der Innenstadt wird deutlich verbessert. Für die Bewohner der Gemeinden zwischen Vorchdorf und Gmunden entsteht eine einfache und vor allem bequeme Anreisemöglichkeit zum Einkaufen in Gmunden.

Für die Durchbindung müssen ja neue Fahrzeuge gekauft werden, das wird doch teuer?

Alle Verkehrsbetriebe sind gesetzlich verpflichtet, bis 2015 barrierefreie Verkehrsmittel anzubieten, die behinderten Personen eine selbstständige Nutzung des öffentlichen Verkehrs ermöglichen. Überdies sind die Fahrzeuge der Lokalbahn und der Straßenbahn am Ende ihrer Lebensdauer angelangt. Daraus ergibt sich, dass für die beide Linien auch ohne Durchbindung neue Fahrzeuge beschafft werden müssen. Ohne die Durchbindung müssten wegen der getrennten Reservevorhaltung sogar mehr Fahrzeuge angeschafft werden, als mit der durchgehenden Strecke.

Auch ergeben sich durch die getrennte Betriebsführung der beiden Linien höhere Kosten, da zwei Werkstätten erhalten werden müssen und ein Fahrzeugaustausch nur mittels LKW-Tieflader durchgeführt werden kann.

Wer soll das bezahlen?

Die aktuellen Finanzierungsüberlegungen gehen davon aus, dass der überwiegende Teil der Investition vom Land Oberösterreich und dem Bund übernommen wird. Die Stadt Gmunden muss nur die Kosten für die Oberflächengestaltung und die Erneuerung der Einbauten übernehmen.

Aus Sicht der Stadtgemeinde ist das Projekt daher eine große Chance, eine Großinvestition in der Stadt zu bekommen, mit allen direkten und indirekten positiven Folgewirkungen auf die lokale Wirtschaft.

Ohne Straßenbahn ist eine Investition in dieser Größenordnung in der Altstadt kaum vorstellbar. Jede Investition ist ein Impuls für die Wirtschaft. Die Kosten des Verbindungsprojektes sind ja nicht verlorenes Geld, sondern schaffen Wertschöpfung in Oberösterreich. Im Gegensatz zu Großprojekten wie Alpentunnels bleibt hier ein deutlicher Anteil der Wertschöpfung in der Region: Straßenbau, Schottergewinnung, Bahnschwellen, Schienen, Weichen, Leitungsverlegung, Oberflächengestaltung, Haltestellen, elektrische Oberleitungen, Signalanlagen, Straßenbahnfahrzeuge: All das wird in Österreich hergestellt. Und bei regionalen Verkehrsprojekten werden in vielen Bereichen meistens lokale Firmen eingesetzt.

Durch die Ausweitung des Verkehrs auf Straßenbahn und Lokalbahn werden auch Arbeitsplätze im Bereich Fahrdienst, Infrastrukturerhaltung, Werkstätte und Administration langfristig gesichert und vermehrt.

WUSSTEN SIE, DASS ...

… die Planungen für eine Durchbindung schon seit mehr als 100 Jahre bestehen?

… es seit 2003 einen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss für die Durchbindung gibt?

… die Straßenbahn und die Lokalbahn beim Lichterfest 2009 mehr als 4000 Personen beförderten und damit 2000 PKW Fahrten einsparten?

… das Personal der beiden Linien bei Fahrgastbefragungen immer wieder als äußerst freundlich bewertet wird?

… Gmunden mit der Durchbindung eine Vorreiterrolle in der Verkehrsplanung für Klein- und Mittelstädte einnehmen wird?

… beide Linien jedes Jahr für viele Gäste aus dem In- und Ausland ein Anziehungspunkt sind und damit eine echte Touristenattraktion darstellen?

… das ähnliche Projekt einer Verbindung zweier Linien, die Pöstlingbergbahn in Linz mit der Straßenbahn, zu einem solchen Fahrgastzuwachs führte, dass zusätzliche Fahrzeuge bestellt werden mussten.

… Linz, Graz, Innsbruck und Wien massiv in ihre Straßenbahnen investieren und neue Linien bauen?

… auch in anderen österreichischen, vor allem aber auch europäischen und amerikanischen Städten die (Wieder-) Einführung der Straßenbahn diskutiert wird?

… alleine in Spanien im Jahr 2007 sieben neue Straßenbahnbetriebe eröffnet wurden?

… in Frankreich seit in 1985 in 23 Städten die Straßenbahn wieder eingeführt wurde?

… es neben Gmunden auch viele andere Kleinstädte mit Straßenbahnen gibt?

… der Verein Pro Gmundner Straßenbahn sein erhebliches Vereinsvermögen im Falle der Realisierung des Projektes zur Gänze dafür zur Verfügung stellen wird?

… für die eingehende Prüfung des Zusammenschlusses der Straßenbahn mit der Lokalbahn von Stadt Gmunden und Land Oberösterreich eine detaillierte Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben wurde? Vom technischen Büro Ingenieurgemeinschaft Kaufmann – Kriebernegg, das entsprechende Referenzen hat, wurden darin die Streckenführung durch das Trauntor und über die Traunbrücke zum Klosterplatz und Seebahnhof, der künftige Verkehrsablauf und die Einbauten im Straßenraum genauestens geprüft. Alle Schlüsselstellen (Grabenkreuzung, Rathausplatz, Trauntor, Traunbrücke, Klosterplatz) sind technisch gut lösbar.

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